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KommunikationVon Dr. Alexandra Singer · Juli 2026 · 3 Min.

Folge 7: Ich sehe was du (noch) nicht siehst. Warum Menschen Führung sehen, bevor sie Führung hören.

Noch bevor ein Wort gesprochen wird, haben Menschen begonnen, uns einzuordnen. Warum Leadership-Kommunikation mit Präsenz beginnt – nicht mit Rhetorik – und was die Kriminologie dazu beiträgt.

Folge 7: Ich sehe was du (noch) nicht siehst. Warum Menschen Führung sehen, bevor sie Führung hören.

"Man kann nicht nicht kommunizieren." Dieser Satz von Paul Watzlawick gehört zu den bekanntesten Aussagen der Kommunikationswissenschaft. Gleichzeitig wird seine Bedeutung im Leadership häufig unterschätzt.

Viele Führungskräfte investieren viel Zeit in Präsentationen, Argumente oder Storytelling. Unbestritten, alles wichtige Kompetenzen.

Doch die entscheidende Kommunikation beginnt bereits davor.

Noch bevor ein Wort gesprochen wird, haben Menschen begonnen, uns einzuordnen. Wir fragen uns unbewusst:

  • Kann ich dieser Person vertrauen?
  • Wirkt sie kompetent?
  • Strahlt sie Sicherheit aus?
  • Würde ich ihr folgen?

Diese Einschätzungen entstehen erstaunlich schnell. Studien zur sozialen Wahrnehmung zeigen, dass Menschen innerhalb von Millisekunden bis wenigen Sekunden stabile erste Eindrücke über Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit oder Führungsstärke entwickeln (Ambady & Rosenthal, 1993; Todorov et al., 2005).

Das bedeutet nicht, dass der erste Eindruck immer richtig ist.

Aber er beeinflusst, wie wir alle weiteren Informationen interpretieren.

Kommunikation beginnt im Innen.

Jede Form von Leadership-Kommunikation beginnt mit einer inneren Haltung. Unsere Überzeugungen beeinflussen unsere Körpersprache. Unsere Körpersprache beeinflusst unsere Wirkung. Unsere Wirkung beeinflusst, ob Menschen bereit sind zuzuhören.

Erst danach beginnt Sprache.

Deshalb sprechen wir in der Leadership-Kommunikation nicht zuerst über Rhetorik, sondern über Präsenz.

Wer innerlich Orientierung hat, sendet meist auch nach außen Orientierung.

Was wir aus der Kriminologie lernen können

Ein spannendes Beispiel liefert die Kriminologie.

In einer viel zitierten Studie beobachteten Forschende, dass inhaftierte Gewalttäter anhand kurzer Videoaufnahmen unabhängig voneinander dieselben Personen als besonders verletzlich einschätzten.

Nicht aufgrund von Kleidung oder Alter. Sondern aufgrund ihrer Körpersprache. Gesenkter Blick. Zögerlicher Gang. Wenig Raum einnehmen. Geringe Aufmerksamkeit für die Umgebung.

Menschen mit ruhiger Präsenz, klaren Bewegungen und einer aufrechten Haltung wurden deutlich seltener ausgewählt.

Die Verantwortung liegt selbstverständlich immer beim Täter.

Für die Kommunikationswissenschaft ist jedoch etwas anderes spannend:

Menschen lesen Körpersprache permanent.

Ob Kolleg:innen, Kund:innen, Investor:innen oder Mitarbeitende – wir alle treffen fortlaufend unbewusste Einschätzungen.

Leadership bildet hier keine Ausnahme.

Interesse kommt vor Motivation.

Viele Führungskräfte versuchen, ihre Teams zu motivieren.

Dabei wird häufig ein Schritt übersprungen.

Menschen folgen nicht zuerst einer Botschaft.

Sie folgen zunächst der Person.

Bevor Motivation entstehen kann, braucht es Aufmerksamkeit. Bevor Aufmerksamkeit entsteht, braucht es Interesse. Und Interesse entsteht durch Präsenz.

Deshalb lautet einer meiner wichtigsten Leitsätze:

Interesse kommt vor Motivation.

Leadership beginnt nicht mit PowerPoint.

Leadership beginnt mit Haltung.

Und Haltung wird sichtbar.

Noch bevor das erste Wort gesprochen wird.


Reflexionsfrage

Wie würde ein stilles Video von dir wirken – ganz ohne Ton? Würde deine Körpersprache bereits zeigen, dass Menschen dir folgen können?

Mein Name ist Dr. Alexandra Singer. Ich bin Kommunikationswissenschaftlerin, Leadership-Profilerin und Unternehmensberaterin. Ich erforsche, wie Führung durch Kommunikation sichtbar wird – und begleite Menschen und Organisationen dabei, genau diese Wirkung bewusst zu gestalten.


Quellen

  • Ambady, N., & Rosenthal, R. (1993). Half a Minute: Predicting Teacher Evaluations from Thin Slices of Nonverbal Behavior. Journal of Personality and Social Psychology.
  • Todorov, A., Mandisodza, A. N., Goren, A., & Hall, C. C. (2005). Inferences of competence from faces predict election outcomes. Science.
  • Book, A. S., Costello, K., & Camilleri, J. A. (2013). Psychopathy and victim selection: The use of gait as a cue to vulnerability. Journal of Interpersonal Violence.
Dr. Alexandra Singer
Dr. Alexandra Singer

Leadership Sparring-Partnerin, promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Gründerin des Grooowth Hub. 20+ Jahre Führungserfahrung.

Nächster Schritt

Leadership beginnt mit Sichtbarkeit.

30 Minuten. Ein Gespräch. Klarheit.

Kein Sales Pitch. Kein Smalltalk. Sondern die eine Frage, die alles verändert: Was hält dich davon ab, sichtbar zu führen?

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Dr. Alexandra Singer